PISA und das finnische Schulsystem


Finnische Schüler sind seit der ersten PISA-Studie zur Lesekompetenz in aller Munde. PISA, kurz für „Programme for International Student Assessment“, ist eine vergleichende Schülerleistungsuntersuchung, die alle drei Jahre auf internationaler Ebene stattfindet. Finnland war 2001 noch vor Kanada, Japan und Frankreich absoluter Spitzenreiter in den Testergebnissen und alle Blicke richteten sich auf das finnische Schulsystem, das anscheinend größtenteils „Überflieger“ in den untersuchten Bereichen Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften hervorbringt.

Einheitssystem Gesamtschule

Die Gründe für das überdurchschnittliche Abschneiden finnischer Schüler sind vielschichtig und können nicht allein auf das, ohne Frage, hervorragende finnische Schulsystem zurückgeführt werden. Zu diesem: In Finnland gehen Schüler die ersten neun Jahre auf eine Einheitsschule. Erst danach besuchen Sie entweder die gymnasiale Oberstufe, die freiwillige 10. Stufe oder beginnen mit einer Berufsausbildung. Allein diese Tatsache erklärt die Pisa-Ergebnisse allerdings nicht, da auch PISA-Verlierer Gesamtschulsysteme haben.

Kleine Klassen und gut ausgebildete Lehrer

Weitere Gründe könnten die geringe Bevölkerungsgröße Finnlands und das recht homogene soziale Gefüge Finnlands sein. Die Klassengröße kann recht klein gehalten werden. Meist übersteigt sie nicht 20 Schüler. Die Lehrperson kann so Leistungsdefizite schneller erkennen und besser auf einzelne Schüler eingehen. Ein weiteres wichtiges Merkmal des vorbildlichen Bildungssystems, ist das geachtete Berufsbild des Lehrers in Finnland. Die beliebten Studienplätze für ein Lehramtsstudium sind recht rar und in jedem Fall muss sich jeder Bewerber einer Eignungsprüfung unterziehen, in der es vorrangig um soziale und kommunikative, weniger um fachwissenschaftliche Aspekte geht. Einmal aufgenommen, erwarten Lehramtsstudenten in Finnland eine sehr Praxis orientierte, lebensweltliche Ausbildung. In Finnland wird davon ausgegangen, dass zuerst die „Realität Schule“ erfahren werden muss, und dann Theorien entstehen können, nicht umgekehrt.

(Bildquelle: foundphotos)

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